Alternative zur „blau-grünen DP“
Klare und kritische Worte findet der ehemalige „Déi Gréng“-Schöffe Jeannot Logelin im Interview über seine Kandidatur auf der Liste von „déi Lénk“.
Vor 6 Jahren warst du Spitzenkandidat bei den Grünen und warst über 4 Jahre Schöffe der DP/Déi Gréng-Koalition. Warum hast du frühzeitig aufgehört in dieser Funktion?
Nach den Wahlen 2005 hatte die DP eine erdrückende, aber nicht absolute Mehrheit erlangt. Es war also von Anfang an klar, dass die Grünen in einer Koalition mit solch einem übermächtigen Partner nicht viel zu sagen hätten. Dies hat sich schon in den Koalitionsverhandlungen durch eine ausgeprägte Arroganz von verschiedenen DP-Vertretern gezeigt. Der Anfang der Zusammenarbeit in der Koalition hat meine Meinung bestätigt. Dazu kam ein gewisser Druck der eigenen Fraktion, der mich bewogen hat aufzugeben.
Bereust du diese Entscheidung?
Gewiss nicht. Die darauf folgenden Jahren haben gezeigt, dass Differdingen von einer Koalition regiert wird, in der die DP entscheidet, sich einen grünen Mantel umhängt, und die Grünen hinterher laufen, um auf allen Fotos dabei zu sein. In einem gewissen Sinne haben wir es mit einer blauen und einer grünen DP-Fraktion zu tun.
Was meinst du damit? Die DP schreibt zwar „blau war immer schon grün“, aber die Grünen haben doch auch im Umweltbereich Veränderungen erreicht?
Selbstverständlich waren die Grünen einverstanden, dass in einer Klimabündnisgemeinde jährlich eine künstliche Skipiste betrieben wird. Diese ist nicht nur vom energetischen Standpunkt bedenklich, sondern stellt auch für die Anrainer eine grosse Belastung durch Lärm dar. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass nach nicht einmal 5 Jahren frischer Rollrasen im Parc Gerlache gelegt werden musste.
Während die Gemeinde Sassenheim sich gegen die Verlegung der Atomstromleitung „SOTEL“ auf ihrem Territorium ausgesprochen hat, war kein Protest von den Grünen zu hören, als Bürgermeister Meisch die Baugenehmigung durch das Naturschutzgebiet erteilte.
Obschon im Koalitionsprogramm deutlich geschrieben stand, dass keine Privatisierung oder auch nur die Auslagerung von Gemeindearbeitsstellen betrieben wird, beweisen die megalomanen Projekte „Aquasud“ und Stadion samt Parkhaus genau das Gegenteil.
Auch in der Kulturpolitik konnten die Grünen der Familie Meisch kein Paroli bieten. Die ARENA zur 100-Jahresfeier der Stadt Differdingen hat enorme Kosten mit sich gebracht, welche sich bis heute niemand zu beziffern traut. Trotzdem wurde das Ganze im folgenden Jahr noch einmal wiederholt. Außerdem bot die von den Kulturbeauftragten ausgesuchte Kulisse (Recyclingzentrum, LKW-Parking, Industriebrachland, ...) jedem Besucher, der noch nie in Differdingen war und sich eines der Konzerte anhören wollte, einen so „attraktiven“ Eindruck, dass er ihn sicherlich nicht zu einem weiteren Besuch der Stadt Differdingen bewegen wird.
Warum hast du dich dazu entschieden bei „déi Lénk“ zu kandidieren?
Mein Rücktritt als Schöffe hat mein Interesse an der gesellschaftlichen Entwicklung unserer Gemeinde keineswegs geschmälert, aber die von der blau-grünen DP-Koalition getroffenen Entscheidungen, und die inexistente Opposition von CSV und LSAP waren entscheidende Argumente.
Ab 1993 dachte ich, die Grüne Partei sei eine ökologische und soziale Partei. Meine vorherigen Überlegungen dürften aber belegen, dass dem nicht mehr so ist. Deshalb hab ich mich entschlossen, mich wieder politisch zu engagieren, und die politische Bewegung, die sich am meisten ökologisch und sozial engagiert, ist mittlerweile „déi Lénk“.
Zurück zur Liste
Nächste Veranstaltungen
-
Vendredi Rouge: "(laisser-)/faire" avec Serge Kollwelter
Mehr -
Music and Change - HIPHOP, REGGAE, PUNK - Obszönen Kaméidi oder politesch Ausso?
Mehr